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Editorial Thomas Vorwerk

Wohin geht die Reise?

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Übersicht Nadja Günther, Dresden

Arzneimitteltherapie mit peroralen, zielgerichteten Tumortherapeutika in der Hämatologie

Interaktionen, Therapieadhärenz und therapeutisches Drug-Monitoring im Fokus

Perorale, zielgerichtete Tumortherapeutika sind seit Einführung des ersten Tyrosinkinase-Inhibitors Imatinib im Jahr 2001 fester Bestandteil in der Therapie hämatologischer Neoplasien. Patienten empfinden die perorale Therapie oft als angenehmer im Vergleich zur Infusionsbehandlung, da auf einen intravenösen Zugang verzichtet und die Zahl der Arztbesuche meist reduziert werden kann. Die Selbstständigkeit der Patienten birgt jedoch die Gefahr, Nebenwirkungen zu spät zu erkennen und die vielfältigen Wechselwirkungsmöglichkeiten nicht zu berücksichtigen. Die gleichzeitige Einnahme mit Nahrung, magensäurehemmenden Arzneimitteln sowie mit CYP-Induktoren und -Inhibitoren kann zu Wirkverlust oder erhöhter Toxizität führen. Dies hat wiederum häufig einen Wechsel oder eine Unterbrechung der Therapie zur Folge. Auch die Therapieadhärenz sinkt, wenn Patienten unter vermehrten Nebenwirkungen leiden. Therapeutisches Drug-Monitoring kann in ausgewählten Fällen eine sinnvolle Hilfestellung zur Therapieoptimierung sein.
Schlüsselwörter: Proteinkinase-Inhibitoren, small-molecule Kinase Inhibitors (smKI), Food-Effekt, Therapieadhärenz, therapeutisches Drug-Monitoring, CYP-Interaktionen
Krankenhauspharmazie 2022;43:3–13.

English abstract

Drug therapy with oral, targeted oncolytics in hematology – focusing interactions, adherence and therapeutic drug monitoring

Oral, targeted oncolytics are a substantial part of drug regimens in hematology since the marketing authorisation of imatinib (Gleevec®) in 2001. As intravenous access is not necessary and medical visits might be fewer, patients experience the oral administration as more convenient compared to the intravenous administration of chemotherapy. With this independence there is a potential risk of loosing sight of adverse drug reactions or disregarding the multiple possibilities of interactions. Concomitant intake of food, acid-reducing agents, as well as CYP-inducers and -inhibitors can cause a decline in efficacy or elevated toxicity. Hence, change or discontinuation of drug therapy may be the consequence. A decline of adherence can also be observed, when patients suffer adverse drug reactions. Therapeutic drug monitoring can be a reasonable supportive tool to optimise drug therapy in certain cases.

Key words: Proteinkinase inhibitors, small-molecule kinase inhibitors (smKI), food-effect, adherence, therapeutic drug monitoring, CYP interactions

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Originalarbeit Frank Sperling, Peter Gärtner und Holger Knoth, Dresden

Entwicklung und Validierung einer UV-spektroskopischen Methode zur Bestimmung des Wirkstoffgehalts in defekturmäßig hergestellten Melatonin-Tabletten

Zur Schlafinduktion bei der Durchführung einer Hirnstammaudiometrie (BERA [brainstem evoked response audiometry]) kommt bei Kindern peroral verabreichtes, unretardiertes Melatonin zum Einsatz. Aufgrund der häufigen Verschreibung und mangels eines verfügbaren Fertigarzneimittels wurde in der Klinik-Apotheke des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus an der Technischen Universität (TU) Dresden die defekturmäßige Herstellung von Melatonin-Tabletten 3 mg etabliert. In diesem Zusammenhang musste eine analytische Prüfung der Tabletten einschließlich einer Gehaltsbestimmung entwickelt und validiert werden. Bei der Validierung des zur Gehaltsbestimmung gewählten UV-spektroskopischen Verfahrens ist das Problem potenzieller herstellungsbedingter Gehaltsschwankungen zwischen einzelnen Tabletten zu berücksichtigen. Weiterhin sind Einflüsse von Matrixeffekten auf die Ergebnisse der Gehaltsbestimmung auszuschließen. Diese analytischen Herausforderungen konnten durch gezielte Dotierungen mit bekannten Melatonin-Mengen bewältigt werden.
Schlüsselwörter: Gehaltsbestimmung, UV-Spektroskopie, Pädiatrie, Tabletten, Methodenvalidierung
Krankenhauspharmazie 2022;43:14–9.

English abstract

Development and validation of an UV-spectroscopic method for determining melatonin in tablets

Immediate released orally administered melatonin is used for sleep induction for the purpose of brainstem evoked response audiometry (BERA). Due to the frequent prescription and the lack of available finished medicinal products, a tablet production was established at the pharmacy department of the university hospital Carl Gustav Carus, Dresden. In this context, an analytical analysis of the tablets including a content determination had to be developed and validated. An UV-spectroscopic method was chosen for determining the content of melatonin. When validating the method, the problem of potential fluctuations in content between individual tablets must be taken into account. Furthermore the influence of matrix effects must be excluded. These analytical challenges could be mastered through spiking with known amounts of melatonin.

Key words: quantitative analysis, UV spectroscopy, pediatrics, tablets, methods validation

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Rezension Sylvia Lippmann, Freudenstadt

Anleitung zum Mitmischen

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Bericht Claus Gassner, Ravensburg

Gut vorbereitet auf Station

Bereichsweiterbildung Medikationsmanagement im Krankenhaus

Ende September 2021 haben 14 Kolleginnen und Kollegen in Baden-Württemberg erfolgreich die Weiterbildung „Medikationsmanagement im Krankenhaus“ abgeschlossen und gehören damit bundesweit mit zu den Ersten, die sich in diesem Bereich qualifiziert haben.
Krankenhauspharmazie 2022;43:21–2.

Seite 23 -26
Der klinisch-pharmazeutische Fall Eva Kupetz, Hannover

Clozapin als Ursache einer akuten interstitiellen Nephritis?

Wie man sich der Kausalitätsbewertung nähern kann

Eine 27-jährige an Schizophrenie und Epilepsie erkrankte Patientin entwickelt sehr plötzlich ein akutes Nierenversagen. Die Stationsapothekerin wird in einem pharmazeutischen Konsil beauftragt, einen möglichen Zusammenhang mit der Pharmakotherapie zu untersuchen. Nach sorgfältiger Sichtung der Literatur stuft sie die Symptomatik als unerwünschte Arzneimittelwirkung (UAW) des unter anderem eingesetzten Antipsychotikums Clozapin ein. Es ergeht die Empfehlung zum künftigen Verzicht auf die Substanz. Die Nierenfunktion der Patientin hat sich 23 Tage nach Absetzen von Clozapin vollständig erholt.
Krankenhauspharmazie 2022;43:23–6.

Seite 27 -28
Serie Anja Holsing, Frechen, und Dr. Gesine Picksak, AMTS-Beauftragte der ADKA

Medikationsfehler

Leider nichts Neues: Verwechslungen aufgrund von Sound-Alike

Die vorliegenden Fälle ereigneten sich in einem Krankenhaus, in dem es noch keine elektronische Patientenkurve gibt. Die Anforderungen von gelisteten Artikeln werden an die versorgende Apotheke elektronisch übermittelt, nicht gelistete Arzneimittel oder Reserve-Antiinfektiva werden als Sonderrezept auf einem gesonderten Formular in der Apotheke bestellt, die gesondert geprüft werden. Im Zuge dieser Überprüfung konnten beide Wirkstoffverwechslungen aufgedeckt werden.

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Referiert & kommentiert Madiha Malik, Kiel

Episodische Migräne

Migräneprophylaxe mit Atogepant

Prophylaktische Maßnahmen bei episodischer Migräne sind erforderlich, um die Frequenz und den Schweregrad eines Migräneanfalls zu minimieren. Ein neues orales Migräneprophylaktikum könnte der CGRP(Calcitonin Gene-Related Peptide)-Rezeptor-Antagonist Atogepant darstellen.

Seite 29 -36
Referiert & kommentiert Dominik Schuler, Villingen-Schwenningen

Intravasale Volumentherapie in der Intensivtherapie

Balancierte kristalloide Lösung im Vergleich zu 0,9 %iger NaCl-Lösung

Die meisten Intensivpatienten benötigen im Laufe ihrer Behandlung eine intravasale Volumentherapie. Zu diesem Zweck kommen bevorzugt kristalloide Lösungen zum Einsatz. Ob balancierte Lösungen grundsätzlich zu bevorzugen sind, ist abschließend noch nicht geklärt. Die vorliegende Studie identifizierte keinen Unterschied in der 90-Tage-Sterblichkeit beim Einsatz einer balancierten Lösung im Vergleich zu einer 0,9 %igen NaCl-Lösung.

Seite 29 -36
Referiert & kommentiert Dr. Claudia Bruhn, Berlin

Schmerztherapie

Cannabinoide gegen chronische Schmerzen

Bei chronischen Schmerzen – tumorbedingt oder aufgrund anderer Ursachen – sind medizinisches Cannabis und Cannabinoide eine Option, die immer häufiger in Erwägung gezogen wird. Die Ergebnisse systematischer Übersichtsarbeiten zur Effektivität von medizinischem Cannabis sind jedoch widersprüchlich. Diese unbefriedigende Situation hat eine kanadische Arbeitsgruppe dazu bewogen, einen systematischen Review mit anschließender Metaanalyse durchzuführen.

Seite 29 -36
Referiert & kommentiert Dr. Petra Jungmayr, Esslingen

Blutdrucksenkung

Vierfach-Kombination versus Monotherapie

Bei der frühen antihypertensiven Therapie werden mit einer Kombination aus vier niedrig dosierten Antihypertensiva bessere Behandlungsergebnisse erzielt als mit einer Monotherapie in der Standarddosierung. Zu diesem Schluss kommt die australische QUARTET-Studie, in der die Wirksamkeit und Verträglichkeit einer „Quadpill“ untersucht wurden.

Seite 29 -36
Referiert & kommentiert Sonja Zikeli, Stuttgart

Migräne-Attacken

Triptane effektiver als Ditane und Gepante

Die Pathogenese der Migräne ist multifaktoriell. CGRP, das Calcitonin-Gene-Related-Peptide, spielt dabei eine Schlüsselrolle. Zu den neuen, akut wirksamen Migränetherapeutika zählen 5-HT1F-Rezeptor-Agonisten, auch bekannt als Ditane, und die CGRP-Rezeptor-Antagonisten (Gepante). In einer Netzwerk-Analyse wurde nun die Überlegenheit von Triptanen als etabliertem Therapiestandard gegenüber neuen Wirkstoffklassen für die Behandlung akuter Migräneattacken nachgewiesen.

Seite 29 -36
Referiert & kommentiert Mag. pharm. Irene Senn, PhD, Wien

Erster S1P-Rezeptor-Modulator

Ozanimod bei Colitis ulcerosa

Ozanimod ist bereits seit Mai 2020 zur Behandlung der multiplen Sklerose zugelassen. Ende November 2021 hat die Europäische Kommission den Wirkstoff auch bei Colitis ulcerosa zugelassen, der damit der erste S1P-Rezeptor-Modulator in dieser Indikation in der EU ist. Grundlage für die Zulassungserweiterung sind die Ergebnisse der Phase-III-Studie „True North“. Sowohl in der Induktions- als auch in der Erhaltungstherapie zeigte Ozanimod im Vergleich zu Placebo eine signifikante Verbesserung der Remissionsraten.

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Notizen Dr. Maja M. Christ, Stuttgart

G-BA-Beschluss

Onasemnogen Abeparvovec

Der G-BA hat Onasemnogen Abeparvovec in einer Neubewertung keinen Zusatznutzen bescheinigt. Die Neubewertung des Orphan-Drugs erfolgte nach Überschreiten der 50-Millionen-Euro-Grenze. Der G-BA stellt jedoch klar, dass Onasemnogen Abeparvovec dennoch eine relevante Therapieoption ist.

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