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Interview

Interview mit Prof. Dr. Gerd Antes

Das Interview führte Dr. Matthias Fellhauer

Die lege artis durchgeführte klinische Studie gilt nach wie vor als Goldstandard bei der Generierung von Evidenz in der Medizin. Mit der zunehmenden Digitalisierung und der Verfügbarkeit riesiger Datenmengen stellt sich inzwischen aber die Frage, ob die Methoden der klassischen Wissenschaft nicht ebenso gut oder sogar noch besser von einer intelligenten maschinellen Datenanalyse abgelöst werden können. Der Freiburger Mathematiker, Methodenwissenschaftler und langjährige Direktor der Cochrane Deutschland Stiftung, Professor Gerd Antes, vermisst den kritischen Diskurs über diese Thematik.

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Übersicht Hans-Peter Lipp, Tübingen

CAR-T-Zellen zur individualisierten Therapie rezidivierender oder refraktärer Lymphome und Leukämien

Aktueller Stand und Perspektiven

Mithilfe genmodifizierter CAR-T-Zellen der 2. Generation lassen sich bei vortherapierten Patienten mit rezidivierenden oder refraktären Leukämien und Lymphomen beeindruckende Raten im Gesamtansprechen und lang anhaltende komplette Remissionen erreichen. Die bereits verfügbaren Vertreter Tisagenlecleucel und Axicabtagen-Ciloleucel, die auf patientenindividueller Basis hergestellt werden, sind gegen das Oberflächenantigen CD19 gerichtet. Weitergehende Entwicklungen werden auch andere Epitope erfassen können. Nebenwirkungen wie Hypogammaglobulinämien, das Zytokin-Freisetzungssyndrom und neurotoxische bzw. myelosuppressive Begleiteffekte sind supportiv beherrschbar. Pharmakoökonomisch stellt diese neue Technologie die Kostenträger allerdings vor ganz neue Herausforderungen, sodass erfolgsorientierte Erstattungsmodelle in Zukunft eine zunehmend wichtigere Rolle spielen werden.
Schlüsselwörter: CAR-T-Zellen, Tisagenlecleucel, Axicabtagen-Ciloleucel, Nebenwirkungen, Pharmakoökonomie
Krankenhauspharmazie 2019;40:549–59.

English abstract

CAR-T-cells for individualized treatment of relapsed or refractory lymphoma and leukemia – Current status and perspectives

Impressive response rates as well as long lasting remission could be achieved in pretreated B-ALL and NHL patients via genetically engineered second-generation CAR T cells. After T cell collection from the individual patient, ex vivo inclusion of CD19 recognizing antigen receptors resulted in tisagen lecleucel and axicabtagen ciloleucel.

Future developmental steps will evolve CAR-T cells with novel antigen recognizing subtypes to combat other tumor types. Adverse effects include hypogammaglo-bulinemia, cytokine release syndrome, neurotoxicity as well as myelosuppression which can be ameliorated by selected supportive strategies. However, treatment with CAR-T cells is associated with increasing pharmacoeconomic challenges which may need the implementation of novel reimbursement models as a consequence.

Key words: CAR T Cells – tisagen lecleucel – axicabtagen ciloleucel – adverse effects – pharmacoeconomics

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Originalarbeit Esther Katharina Kiesel, Michael Drey und Yvonne Marina Pudritz, München

Algorithmus zur Reduktion anticholinerger Nebenwirkungen

Eine Hilfestellung für Ärzte und Apotheker

Anticholinerg wirksame Arzneimittel können bei älteren Patienten ein höheres Risiko für Stürze, kognitive Einschränkungen und Delir bewirken. Arzt und Apotheker sind sich der anticholinergen Belastung (ACB) ihrer Patienten durch Arzneimittel oft nicht bewusst. Wir haben vorhandene internationale Instrumente zur Bestimmung der ACB über eine systematische Literatursuche identifiziert, zusammengefasst und auf in Deutschland zugelassene Arzneimittel reduziert. Für den Klinikgebrauch wurden die im Haus gelisteten Arzneimittel mit ACB im Kitteltaschenformat zusammengefasst, um eine schnelle Einschätzung und Entscheidung von Arzt und Apotheker am Patientenbett bzw. auf der Visite zu unterstützen.
Schlüsselwörter: anticholinerge Wirkung, Geriatrie, anticholinerge Belastung, potenziell inadäquate Medikation
Krankenhauspharmazie 2019;40:560–4.

English abstract

Algorithm to aid the reduction of anticholinergic side effects

Medication with anticholinergic properties are associated with a higher risk for falls, cognitive decline and delir, particularly amongst the elderly. Medical doctors and pharmacists alike often lack awareness for the anticholinergic burden (ACB) of their patients. Via a systematic literature search we identified existing international tools and scores to determine the anticholinergic burden, summarised those and reduced them to only in Germany licensed drugs. For an easy use in our hospital we summarised our formulary drugs with an anticholinergic burden on a pocketsize card to support a fast assessment and decision at the patient's bedside or at the ward round.

Key words: anticholinergic side effect, geriatrics, anticholinergic burden, potentially inadequate medication.

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Bericht Marianne Schoppmeyer, Nordhorn

Was gibt es Neues in der Gastroenterologie?

„Viszeralmedizin – Interdisziplinär im Mittelpunkt der Medizin“, so lautete das Motto des wissenschaftlichen Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselerkrankungen (DGVS) sowie der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie (DGAV). Die ganzheitliche Betrachtung und Behandlung der Patienten waren dabei von zentraler Bedeutung. So gab es eine Vielzahl interdisziplinärer Sitzungen. Deutlich wurde auch, dass sich zurzeit zahlreiche neue gastroenterologische Medikamente in der Pipeline der pharmazeutischen Industrie befinden und damit neue Therapiemöglichkeiten eröffnen.
Krankenhauspharmazie 2019;40:565–8.

Seite 569 -571
Der klinisch-pharmazeutische Fall Annika van der Linde, Maria Schultze-Florey und Lisa Schwerdhelm, Hamburg

Wie nennt man eigentlich den umgekehrten Fall eines Look-alikes?

Nach Änderung des Packungsdesigns war die Pflegekraft verunsichert, ob es sich immer noch um das gewohnte Präparat handelt. Dies führte dazu, dass das „neue“ Präparat zunächst nicht angebrochen wurde. Im Austausch mit der Klinikapotheke konnte die Frage geklärt werden. Der klinisch pharmazeutische Fall zeigt, wie wichtig die Kommunikation zwischen allen bei der Betreuung eines Patienten beteiligten Berufsgruppen ist und dass man selbst mit dem „umgekehrten“ Fall eines Look-Alikes rechnen muss.
Krankenhauspharmazie 2019;40:569–71.

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Serie Sarah Weidlich, Berlin, und Dr. Gesine Picksak, AMTS-Beauftragte der ADKA

Medikationsfehler

Aus 2 wird 8 – und alles soll geschluckt werden?

Aufgrund eines Lieferengpasses ist die Klinikapotheke gezwungen, das Arzneimittel in einer anderen Packungsgröße dazuzukaufen. Diese wird unkritisch – wie immer – zur selbstständigen einmaligen Einnahme an die Patientin ausgegeben. Statt zwei Tabletten enthält die Packung nun jedoch acht Tabletten.

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Referiert und kommentiert Simone Reisdorf, Erfurt

Episodischer Clusterkopfschmerz

Weniger Schmerzattacken bei Prävention mit Galcanezumab

In einer doppelblinden, randomisierten Studie wurden Patienten mit episodischem Clusterkopfschmerz untersucht. Sie erhielten in einer aktiven Schmerzperiode zweimal im Abstand von vier Wochen jeweils eine subkutane Injektion mit 300 mg Galcanezumab, einem selektiven Antikörper gegen das Calcitonin Gene-related Peptid (CGRP), oder sie bekamen Placebo. Das Ergebnis: Die Zahl der wöchentlichen Schmerzattacken sank in den drei Wochen nach der ersten Injektion in der Galcanezumab-Gruppe signifikant stärker als in der Kontrollgruppe.

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Referiert und kommentiert Gerrit Seifert, Mainz

Diabetes mellitus Typ 2

Orales Semaglutid im Vergleich mit subkutanem Liraglutid und Placebo

Glucagon-like-Peptide-1-Rezeptoragonisten (GLP-1-Agonisten) sind effektive Wirkstoffe in der Behandlung des Diabetes mellitus Typ 2. Sie können sowohl den HbA1C als auch das Körpergewicht eines Patienten senken. Bisher sind diese Wirkstoffe nur als subkutane Injektion verfügbar, was die Anwendung einschränkt. Der neue GLP-1-Agonist Semaglutid ist oral verfügbar. Die nachfolgende Studie konnte zeigen, dass das orale Semaglutid weder dem subkutan verabreichten Liraglutid noch einem Placebo unterlegen war.

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Referiert und kommentiert Dr. med. Marianne Schoppmeyer, Nordhorn

Metabolische Chirurgie

Positive Effekte von Liraglutid als Begleitmedikation

Trotz einer bariatrischen Operation erreicht ein Teil der Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 keine Remission oder hat nach einigen Jahren erneut erhöhte Serumglucosespiegel. Bei diesen Patienten wirkt sich die zusätzliche Gabe des GLP-1-Rezeptoragonisten Liraglutid positiv auf die Stoffwechsellage aus.

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Referiert und kommentiert Dr. Jutta Zwicker, Dresden

Antikoagulation

Faktor-Xa-Inhibitoren bei extremem Übergewicht wirksam?

Die Ergebnisse einer kleinen retrospektiven Studie deuten darauf hin, dass Apixaban und Rivaroxaban bei Patienten mit schwerer Adipositas ähnlich wirksam sind wie der Vitamin-K-Antagonist Warfarin.

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Referiert und kommentiert Dr. Annette Junker, Wermelskirchen

Pädiatrische Onkologie

Auch bei Kindern Krebs zielgerichtet behandeln

Die NCI-COG-Studie MATCH ist die erste pädiatrische Studie, in der bei Kindern, die auf Standardtherapien nicht angesprochen hatten, nach in der Onkologie bekannten genetischen Veränderungen gesucht wurde. Bei etwa 25 % der Kinder wurden genetische Veränderungen gefunden, die bei Erwachsenen mit zielgerichteten Therapien behandelt werden können. Eine Interimsanalyse der Studie wurde bei der 55. Jahrestagung der ASCO in Chicago vorgestellt.

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Notizen Solvejg Langer, Stuttgart

G-BA-Beschluss

Nintedanib bei idiopathischer Lungenfibrose

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Notizen Bettina Christine Martini, Legau

Aktuelle Meldungen von EMA, FDA, BfArM und AkdÄ