Seite 213 -214
Editorial Thomas Vorwerk

Die ADKA-Gemeinschaft als Problemlöser

Seite 215 -219
Übersicht Frank Dörje, Erlangen, Daniel Grandt, Saarbrücken, Gesine Picksak, Hannover, und Christoph Klaas, Münster

Arzneimitteltherapieanamnese in Zeiten von COVID-19

Nutzung von Krankenkassendaten zur Vermeidung von Medikationsfehlern

Schwere Infektionen durch SARS-CoV-2 stellen Krankenhäuser auch im Bereich der Anamnese vor große Herausforderungen. Gerade Notfallpatienten, die ins Krankenhaus kommen, müssen schnell aufgenommen werden, ohne dass immer auf die medizinischen Unterlagen von Einweisern zurückgegriffen werden kann. Um einen Überblick über aktuelle Diagnosen, die medizinische Vorgeschichte und die aktuelle Arzneimittelmedikation zu bekommen, bieten die beiden Krankenkassen BARMER und AOK Nordost den Krankenhäusern an, auf ihre Abrechnungsdaten zuzugreifen. Diese Daten werden aggregiert und in übersichtlicher und strukturierter Form dargestellt, sodass sich der Arzt und Apotheker schnell einen Eindruck vom medizinischen Zustand eines Patienten machen können.
Diese zusätzlich zur Verfügung gestellten Informationen helfen dem Arzt und Apotheker weiterhin, das Risiko für Medikationsfehler im Krankenhaus, die häufig insbesondere durch unvollständige Patientenunterlagen entstehen, zu minimieren und so eine sichere Arzneimitteltherapie während des stationären Aufenthalts für den Patienten zu gewährleisten. Die Evaluation des Nutzens dieser Art der Bereitstellung von Information ist auch ein Bestandteil eines durch den Innovationsfonds geförderten Projektes (TOP – „Transsektorale Optimierung der Patientensicherheit“).
Schlüsselwörter: COVID-19, Arzneimittelanamnese, Abrechnungsdaten der Krankenkassen, transsektorale Optimierung der Patientensicherheit, Medikationsfehler, Seamless Care
Krankenhauspharmazie 2020;41:215–9.

English abstract

The anamnesis of drug therapy in times of COVID-19 – The use of health insurance data to prevent medication errors

Infections by SARS-CoV-2 face hospitals with enormous challenges, also when it comes to the anamnesis of drug therapy. In medical emergencies the hospitalisation of patients, not only with infections by SARS-CoV-2, has to take place fast and often without the possibility to recourse the documents of the referring physicians. Currently the German health insurance funds BARMER and AOK Nordwest, offers all hospitals free access to their billing data to support a better anamnesis of current diagnoses, therapy, medical history and actual medication of their patients. These information were summarized and are presented in a clear and structured form to enable the attending physicians and clinical pharmacists a rapid impression of the patients medical history. Because one of the leading courses of medication errors in hospital is based on incomplete medication history, the additional information by health insurance funds can support the attending team of physicians and pharmacists to minimize actual medication errors ensuring a safe drug therapy for the patient during his hospitalization. The evaluation of the benefits of this type of information provision is also part of a project funded by a fund for innovations of the G-BA (TOP – "Transsectoral optimization of patient safety").

Key words: COVID-19, medical history, billing data from health insurance funds, TOP – trans-sectoral optimization of patient safety, medication errors

Seite 220 -228
Originalarbeit Gerrit Seifert, Irene Krämer, Frank Erdnüß, Mainz, und Wolfgang Kamin, Hamm

Videobasierte Inhalationsschulung am Patientenbett – Qualitätssicherung und Akzeptanz

Inhalativa gehören zu den erklärungsbedürftigen Arzneimitteln, denn eine erfolgreiche Inhalationstherapie setzt ein korrektes Inhalationsmanöver voraus. Die richtige Anwendung des jeweiligen Inhalators bedarf in der Regel einer intensiven Schulung des Patienten. Spezielle Schulungsvideos können möglicherweise die Effizienz der Schulung verbessern und zur Qualitätssicherung der Schulung beitragen.
Insgesamt 32 stationäre Patienten wurden am Patientenbett mit Trainingsvideos der Deutschen Atemwegsliga zum Gebrauch ihrer Inhalatoren geschult. Zunächst demonstrierten die Patienten die Inhalation mit ihrem jeweiligen Inhalator und die auftretenden Anwendungsfehler wurden erfasst. Im Anschluss wurde den Patienten auf einem Tablet-PC ein zu ihrem Inhalationsgerät passendes Schulungsvideo gezeigt und das Inhalationsmanöver bei Bedarf durchgesprochen. Anschließend konnten die Patienten den Nutzen der Schulung mittels eines Fragebogens bewerten.
Insgesamt konnten 37 Bögen zur Fehleranalyse und 23 Bögen zur Nutzeneinschätzung ausgewertet werden. Bei der Anwendung der Inhalatoren zeigten sich typische Fehler, wie eine fehlerhafte Vorbereitung des Inhalators (10-mal), eine fehlende Ausatmung vor der Inhalation (29-mal), fehlendes Luftanhalten nach dem Inhalieren (31-mal) und falsches Ausatmen (25-mal). Die Zufriedenheit mit den Schulungen war sehr hoch und die Patienten äußerten den Wunsch nach verstärkter Schulung mit digitalen Medien am Patientenbett. 21 Patienten empfanden die Erklärungen der Videos als verständlich und jeweils 17 Patienten sagten, sie haben etwas über die Anwendung ihres Inhalators dazugelernt und würden sich für einen neuen Inhalator wieder eine entsprechende Schulung wünschen.
Die Inhalationsschulung mit Trainingsvideos am Patientenbett wurde von den Geschulten sehr gut akzeptiert. Eine Studie zu Nutzen und Effizienz dieser Methode erscheint angebracht.
Schlüsselwörter: Patientenschulung, Videos, Inhalation, Qualitätssicherung (QS)
Krankenhauspharmazie 2020;41:220–8.

English abstract

Quality assurance and patient acceptance of inhalation training by educational videos during their hospital stay

Correct handling of an inhalation device is a prerequisite for successful inhalation therapy and hence, prior to the use, patients have to be educated. Specific educational videos represent a novel training method and may improve the effectiveness of the inhalation training.

A total of 32 inpatients were trained with educational videos of the German Respiratory League how to use their inhalation devices during their hospital stay. At first, the patients had to demonstrate the use of their inhalation device. The inhalation process was observed and errors were recorded in a checklist. In the second step, patients watched a training video regarding their inhalation device on a laptop and the inhalation maneuver was explained by the pharmacist on request. Finally, patients rated the benefit of the training via a written questionnaire.

A total of 37 checklists and 23 questionnaires were analyzed. The inhalation procedures were affiliated with typical errors, e.g. wrong preparation of the inhalation device (10 times), missing exhalation before the inhalation maneuver (29 times), missing breath-hold after inhalation (31 times), and incorrect exhalation (25 times). Patients appreciated the educational videos and were desirous of being trained this way in the future. A total of 21 patients rated the videos as comprehensible and 17 patients acknowledged the effectiveness of the training and would make use of a video-based training in case of switching to another inhalation device.

In conclusion, the inhalation training with educational videos at bedside was well accepted by the patients. A study investigating benefit and efficiency of this method seems advisable.

Key words: patient education, training-video, inhalation, quality assurance (QA)

Seite 229 -232
Der klinisch-pharmazeutische Fall Ute Blassmann, Heidelberg, und Otto Frey, Heidenheim

Thrombozytopenie unter Linezolid – Absetzen oder Dosisanpassung?

Eine 79-jährige Patientin entwickelt unter der Therapie einer Spondylodiszitis mit Linezolid zweimal 600 mg eine Trizytopenie mit ausgeprägter Thrombozytopenie. Blutbildschädigende unerwünschte Nebenwirkungen werden vor allem bei langer Therapiedauer und hohen Serumspiegeln beobachtet. Aufgrund fehlender geeigneter Therapiealternativen erfolgen eine Bestimmung der Serumspiegel und eine Dosisanpassung unter Berücksichtigung der therapeutisch notwendigen Konzentrationen. Das Blutbild normalisiert sich und die Linezolid-Therapie kann mit reduzierter Dosis bei guter Verträglichkeit für eine gesamte Therapiedauer von sechs Wochen fortgesetzt werden.
Krankenhauspharmazie 2020;41:229–32.

Seite 233 -234
Serie Corinna Althaus, Hildesheim, und Dr. Gesine Picksak, AMTS-Beauftragte der ADKA

Medikationsfehler

Eine elektronische Verordnungssoftware allein schützt nicht vor Medikationsfehlern

Die Einführung einer elektronischen Arzneimittelverordnungssoftware kann die Arzneimitteltherapiesicherheit verbessern, allerdings spielen auch hier Medikationsfehler wie die Verwechselung durch Sound-alikes eine bedeutende Rolle. Durch die Verwechslung zweier ähnlich klingender Präparate (Sound-alikes) wurde im elektronischen Verordnungssystem fälschlicherweise Amineurin® 100 mg Retardtabletten (Amitriptylin) anstelle von Amiodaron eingetragen. Diese Verwechslung wurde durch das Programm begünstigt, das bei Eingabe der ersten drei Buchstaben beide Wirkstoffe der Arzneimittelliste der Klinik aufführte.

Seite 235 -243
Referiert und kommentiert Dr. Dr. Tanja Neuvians, Ladenburg

Chronische Pankreatitis

Schnellere Schmerzkontrolle durch frühen chirurgischen Eingriff

Bisher werden Patienten mit chronischer Pankreatitis erst operiert, wenn konservative Maßnahmen ausgeschöpft wurden. Jedoch werden die Schmerzen durch eine frühe Operation effektiver behandelt.

Seite 235 -243
Referiert und kommentiert Dominik Schuler, Villingen-Schwenningen

Gesundheitsökonomisches Modell

Einsparpotenzial durch die intravenöse Einmalgabe von Dalbavancin bei Langzeit-MRSA-Infektionen

Die Einmalgabe des langwirksamen Antibiotikums Dalbavancin ermöglicht eine potenzielle frühzeitige Entlassung von Patienten unter dem Schutz einer optimalen antimikrobiellen Therapie, wodurch die Verweildauer und damit verbunden auch die Gesamtkosten pro Patientenfall reduziert werden können.

Seite 235 -243
Referiert und kommentiert Dr. med. Marianne Schoppmeyer, Nordhorn

Gastroösophageale Refluxkrankheit

Fundoplicatio effektiv bei Beschwerden, die nicht auf PPI ansprechen

Patienten, die an einer gastroösophagealen Refluxkrankheit (GERD) leiden, die nicht auf Protonenpumpeninhibitoren (PPI) anspricht, profitieren von einer Fundoplicatio nach Nissen. Dies zeigt eine randomisierte Studie aus den USA. Allerdings zeigte sich in der Studie auch, dass viele Patienten die Diagnose „PPI-refraktäre GERD“ zu Unrecht erhalten. Bevor diese Diagnose gestellt wird, sollte eine sorgfältige Diagnostik durchgeführt werden.

Seite 235 -243
Referiert und kommentiert Dr. Petra Jungmayr, Esslingen

Intravenöse Eisensubstitution

Vergleich von Eisen-Derisomaltose mit Eisen-Carboxymaltose

Die Ergebnisse zweier Head-to-Head-Studien, die Eisen-Derisomaltose und Eisen-Carboxymaltose miteinander verglichen, zeigen für Eisen-Derisomaltose ein geringeres Hypophosphatämie-Risiko sowie ein günstigeres Sicherheitsprofil. Unterschiede zugunsten von Eisen-Derisomaltose ergaben sich auch bei Parametern des Knochenstoffwechsels.

Seite 235 -243
Referiert und kommentiert Solvejg Langer, Stuttgart

Sepsis bei Neugeborenen

CRP taugt nicht als Marker

Eine zeitnahe Diagnose einer späten Sepsis bei Neugeborenen ist entscheidend für den Verlauf der Therapie. Da die Ergebnisse einer Blutkultur relativ lange auf sich warten lassen, werden verschiedene Biomarker für die Bestätigung einer Infektion hinzugezogen. Wie sinnvoll das C-reaktive Protein (CRP) für eine solche Diagnostik ist, sollte nun eine Metaanalyse klären.

Seite 235 -243
Referiert und kommentiert Dr. Claudia Bruhn, Berlin

Behandlung maligner Tumoren

Methadon – Wirkverstärker der Chemotherapie?

Kann Methadon zusätzlich zu seiner analgetischen Wirkung auch Tumoren bekämpfen? Diese Frage wurde in den letzten Jahren viel diskutiert. Eine prospektive klinische Studie, die in Kürze am Universitätsklinikum Ulm und weiteren Standorten gestartet werden soll, könnte zur Klärung dieser Frage beitragen.

Seite 235 -243
Referiert und kommentiert Dr. Annette Junker, Wermelskirchen

Rückfällige B-ALL

Immuntherapie mit Blinatumomab besser als Chemotherapie

Das Immuntherapeutikum Blinatumomab verbessert im Vergleich zur Standardchemotherapie bei Kindern mit rückfälliger akuter lymphatischer Leukämie der B-Zellen (B-ALL) deren Überleben und ist besser verträglich. Das zeigten die Ergebnisse der AALL1331-Studie der Children‘s Oncology Group (COG), die im Dezember 2019 als Late Breaking Abstract während der 61. Jahrestagung der amerikanischen Hämatologen (ASH) vorgestellt wurde.

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Notizen Dr. Stefan Fischer, Stuttgart

G-BA-Beschluss

Cannabidiol beim Lennox-Gastaut-Syndrom

Seite 245 -247