ÜbersichtDorothea Strobach, Matthias Trottmann und Sina Pompe, München

Arzneimittel und männliche Fertilität

Risiken und Chancen

Ein unerfüllter Kinderwunsch ist ein zunehmendes Problem unserer Zeit. In etwa der Hälfte der Fälle liegt die Ursache beim Mann. Neben verschiedenen hormonellen und physiologischen Risikofaktoren kann auch die Einnahme von Arzneimitteln unerwünschte Wirkungen auf die männliche Fertilität und Sexualfunktion entfalten. Eine genaue Anamnese und Evaluation der Arzneimitteltherapie sollte deshalb Teil jeder Fertilitätsabklärung sein. Daten sind dabei oft schwer zu finden und erfordern eine ausführliche Literaturrecherche. In vielen Fällen stellen Arzneimittel jedoch einen modifizierbaren Risikofaktor dar.

Schlüsselwörter:
Arzneimittel, männliche Fertilität, Risikofaktoren

Krankenhauspharmazie 2017;38:125–30.

FlaggeEnglish abstract

Drugs and male fertility – Risks and chances

Unintended childlessness is a growing problem today. In half of these cases, it is due to the male partner. In addition to several hormonal and physiological risk factors, adverse drug effects influence male fertility and sexual function. A detailed anamnesis and careful analysis of a patient’s drug therapy should be part of every fertility evaluation. Information on these questions is often hard to find and an in-depth search of literature is needed. In many cases, drug therapy is a modifiable risk factor.

Key words: Drugs, male fertility, risk factors


OriginalarbeitManuel Weis, Aachen

Herstellung oraler flüssiger Zubereitungen für die Pädiatrie

Status quo in deutschen Krankenhausapotheken

Neben der klassischen Hartgelatinekapsel haben in den letzten Jahren immer mehr flüssige orale Zubereitungen Einzug auf pädiatrischen Stationen in Deutschland gehalten. Sie bieten den Vorteil einer schnellen Dosisanpassung und beugen erhöhten Lagerhaltungskosten vor, da nur wenige Standardlösungen vorrätig gehalten werden müssen. Mittlerweile gibt es einige wenige NRF-Monographien sowie industriell gefertigte Grundlagen auf dem deutschen Markt, in denen ein Wirkstoff verarbeitet werden kann. Um einen Überblick über die vielfältige Herstellung von oralen flüssigen pädiatrischen Zubereitungen in Deutschland zu gewinnen, wurde im Frühjahr 2016 eine ADKA-Umfrage an allen deutschen Krankenhausapotheken durchgeführt. Die Ergebnisse wurden beim 16. ADKA-Symposium Herstellung in der Krankenhausapotheke vom 10. bis 11. November 2016 in Berlin präsentiert und dem ADKA-Ausschuss für Arzneimittelherstellung und Analytik zur Verfügung gestellt.

Schlüsselwörter:
Orale Liquida, Pädiatrie, Herstellung, Krankenhausapotheke, ADKA-Umfrage 2016

Krankenhauspharmazie 2017;38:131–5.

FlaggeEnglish abstract

Manufacturing of oral liquid formulations for paediatrics in German hospital pharmacies – Status quo 2016

During the last years more and more oral liquid formulations for paediatrics have been investigated and established in German hospital pharmacies. They offer the advantage of an easy and fast dose adjustment and reduce storage costs at children’s wards, because only a small amount of standard formulations have to be kept in place. Meanwhile a few NRF-monographs are available. Also industrial manufactured prescription bases can be used to process active pharmaceutical ingredients.

During spring 2016 a survey was launched to get a general overview of the various preparations of oral liquid formulations in German hospital pharmacies. The outcomes were presented during the 16. ADKA-Symposium “Herstellung und Analytik in der Krankenhausapotheke” 10th to 11th of November 2016 in Berlin and offered to the ADKA-Ausschuss für Arzneimittelherstellung und Analytik. In this article the results will be presented to all ADKA-members and wide readership.

Key words: Oral liquida, paediatrics, manufacturing, hospital pharmacy, ADKA-survey, 2016


KongressSolvejg Langer, Stuttgart

Der Apotheker als Wissensmanager

5. Kongress für Arzneimittelinformation am 3. und 4. Februar in Köln

Bereits zum fünften Mal fand unter dem Motto „Der Apotheker als Wissensmanager – mehr Sicherheit für Arzt und Patient“ der Kongress für Arzneimittelinformation in Köln statt. Mehr als 420 Teilnehmer hatten die Metropole am Rhein angesteuert, um rund um die Arzneimittelinformation zahlreichen Vorträgen zu lauschen, in Workshops die eigenen Fähigkeiten zu verbessern oder die auf 50 Postern präsentierten Projekte von Kollegen kennenzulernen.

Krankenhauspharmazie 2017;38:136–8.

KongressSolvejg Langer, Stuttgart

Sind Leitlinien immer der Königsweg und was will eigentlich der Patient?

Kongress für Arzneimittelinformation 2017

Evidenzbasierte Medizin (EbM) spielte auch beim 5. Kongress für Arzneimittelinformation in Köln eine große Rolle. Daher haben für den klinischen Alltag Leitlinien als Entscheidungshilfen für eine bessere Patientenversorgung einen hohen Stellenwert, ebenso wie elektronische Informations- und Verordnungssysteme, die mit entsprechenden Daten ausgestattet sind. Trotzdem kann eine Therapie nicht allein auf Basis von Evidenz veranlasst werden: Der Wille des Patienten darf dabei nicht außer acht gelassen werden.

Krankenhauspharmazie 2017;38:139–41.

KongressBettina Krieg, Stuttgart

Worte schaffen Realität

Entscheidend ist, wie etwas gesagt wird

Worte wecken Erwartungen und können von verschiedenen Zuhörern jeweils unterschiedlich interpretiert werden. Und sie können das Entscheidungsverhalten des Angesprochenen beeinflussen und somit Realität schaffen. Die Psycholinguistin Dr. Barbara Meyer ging in ihrem Vortrag darauf ein, wie sich die richtigen Worte finden lassen. Dies ist für Apotheker besonders wichtig und kann entscheidend dazu beitragen, dass die Beratung von Patienten und die Zusammenarbeit mit anderen Mitgliedern im therapeutischen Team gelingt.

Krankenhauspharmazie 2017;38:142.

KongressBettina Krieg, Stuttgart

Menschen erliegen Versuchungen

Ökonomische Strategien können Entscheidungen beeinflussen

Wieso sind in Österreich fast 100% aller Einwohner Organspender, während in Deutschland gerade einmal 12% einen Spenderausweis bei sich tragen? Es liegt an der Art und Weise, wie die Einwilligung zur Organspende in diesen Ländern eingeholt wird. Der Mensch handelt nämlich nicht rein rational, sondern lässt sich durchaus in seinen Entscheidungen beeinflussen. Die aktuelle ökonomische Forschung ist sich dieser Tatsache bewusst und entwickelt Strategien, um Entscheidungen zu steuern. Mit deren Einsatz ist jedoch eine große Veranwortung verbunden.

Krankenhauspharmazie 2017;38:143–4.

KongressSolvejg Langer, Stuttgart

Top-Paper Arzneimittelinformation

Auch beim 5. Kongress für Arzneimittelinformation in Köln durfte sie nicht fehlen: die Top-Paper-Session. Dr. Dorothea Strobach, München, stellte die wichtigsten Publikationen der letzten Jahre zum Thema Arzneimittelinformation vor.

Krankenhauspharmazie 2017;38:145–6.

BerichtMonika Trojan, München

Zwei Fachgesellschaften – eine Vision: den Horizont erweitern

Vom 4. bis 7. Oktober 2016 fand in Gijón, Nordspanien, der 61. nationale Kongress der spanischen Krankenhausapotheker unter dem Motto „Ampliando horizontes“ (den Horizont erweitern) statt. Dr. Cornelia Vetter-Kerkhoff und Monika Trojan, PharmD, hatten auf Vermittlung von Ana Lozano Blázquez, der Vizepräsidentin der SEFH (Sociedad Espanola de Farmacia Hospitalaria, Gesellschaft der spanische Krankenhauspharmazie), die Gelegenheit, zusammen mit zwei spanischen Apothekerinnen, Isolina Gutiérrez und Alba González, die spanische Version der ADKA-Arzneimittel-Info-Datenbank vorzustellen.

Krankenhauspharmazie 2017;38:147–8.

BerichtSindy Barke-Burjanko, Freiberg

Qualifizierte Ausbildung in einer Krankenhausapotheke von mittlerer Versorgungsstruktur

Deutschland ist mit 0,3 Krankenhausapothekern auf 100 Krankenhausbetten Schlusslicht im europäischen Vergleich. Besonders ärgerlich ist, dass mit dieser Zahl eine immer umfangreicher werdende klinisch-pharmazeutische Beratung und Betreuung abgedeckt werden soll. Darin enthalten sind der allgemeine Versorgungsauftrag, sämtliche pharmazeutische Tätigkeiten, aber auch administrative Aufgaben eines Apothekenleiters und erst dem nachfolgend der Auftrag an die pharmazeutische Ausbildung. Wie es gelingen kann, klinisch-pharmazeutische Aktivität und den Ausbildungsauftrag zu verbinden, soll in diesen Artikel aufgezeigt werden.
Schlüsselwörter: Krankenhausapotheke, klinische Pharmazie, Ausbildung

Krankenhauspharmazie 2017;38:149–51.

SerieHolger Petri, Bad Wildungen

Analyse von CYP450-Wechselwirkungen – kleiner Aufwand, große Wirkung

Das Interaktionspotenzial der Antiestrogene

Antiestrogene sollen das Wachstum hormonempfindlicher Tumorzellen stoppen. Die Aromatasehemmer Anastrozol, Exemestan und Letrozol reduzieren die Estrogenproduktion durch Hemmung der Aromatase. Tamoxifen ist ein Estrogenrezeptorantagonist. Als Prodrug wird Tamoxifen über den hepatischen Metabolismus durch Cytochrom-P450(CYP)-Isoenzyme pharmakologisch wirksam und ist damit sensibel für Arzneimittelwechselwirkungen. Zu potenziellen pharmakokinetischen Wechselwirkungen der Aromatasehemmer existieren nur wenig klinische Daten. In der Interaktionstabelle (Tab. 1) wird das Verhalten der Antiestrogene zu den CYP-Enzymen dargestellt.

SeriePamela Kantelhardt für den Ausschuss für Arzneimitteltherapiesicherheit

Medikationsfehler

Fehlerhafte Antibiotika-Auswahl im Entlassbrief

Ein Patient wird trotz vorliegendem Antibiogramm mit einem Antibiotikum behandelt, gegen das der Erreger resistent ist. Bei Entlassung wird die fehlerhafte Therapie in den Entlassbrief aufgenommen und somit dem Hausarzt mitgeteilt.

Referiert & kommentiertDr. Claudia Bruhn, Schmölln

Fieber und Schmerzen bei Kleinkindern

Vergleichbare Sicherheit von Paracetamol und Ibuprofen bei Kindern mit leichtem Asthma

Bei der Empfehlung von Paracetamol für Kinder mit Asthma waren Mediziner – und auch Apotheker – aufgrund früherer Studienergebnisse bisher zurückhaltend. Die kürzlich publizierte AVICA-Studie (Acetaminophen versus ibuprofen in children with asthma) hat jedoch gezeigt, dass Paracetamol nicht häufiger als Ibuprofen zu Exazerbationen führt, wenn es Kindern mit leichtem Asthma im Alter zwischen einem und fünf Jahren gegen Fieber und Schmerzen verabreicht wird. Damit konnten Zweifel an der Sicherheit von Paracetamol in dieser Patientengruppe zumindest teilweise ausgeräumt werden.

Referiert & kommentiertDr. Barbara Kreutzkamp, Hamburg

Prophylaxe venöser Thromboembolien

S3-Leitlinie aktualisiert

Venöse Thromboembolien treten im Krankenhaus häufig auf, könnten aber weitgehend vermieden werden. Die aktualisierte S3-Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) gibt risikoadaptierte Empfehlungen unter Berücksichtigung von neueren Studien, Referenzleitlinien und Expertenkonsens.

Referiert & kommentiertDr. Barbara Ecker-Schlipf, Holzgerlingen

Antidiabetika

Wie hoch ist das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen?

Zwischen den unterschiedlichen Antidiabetika, allein oder in Kombination eingesetzt, gibt es klinisch wichtige Unterschiede in Bezug auf das Risiko für Herzinsuffizienz, kardiovaskuläre Erkrankungen und Gesamtsterblichkeit. Insgesamt gesehen scheint die Einnahme von Gliptinen und Glitazonen im Vergleich zu einer Nichtanwendung dieser Substanzen mit einem reduzierten Risiko für diese drei Parameter einherzugehen.

Referiert & kommentiertHardy-Thorsten Panknin, Berlin, Prof. Dr. med. Matthias Trautmann, Stuttgart

Abdominalchirurgische Eingriffe

Prävention postoperativer Infektionen: Was leisten Probiotika?

Als Probiotika werden nach einer Definition der WHO lebende Mikroorganismen bezeichnet, die bei Verabreichung in ausreichender Menge einen gesundheitsfördernden Effekt haben. In einer Metaanalyse vergleichender prospektiver Studien wurde untersucht, ob eine präventive Probiotika-Anwendung bei chirurgischen Patienten das Auftreten postoperativer Infektionen reduziert.

Mit einem Kommentar von Prof. Dr. Matthias Trautmann, Stuttgart

Referiert & kommentiertDr. Barbara Ecker-Schlipf, Holzgerlingen

Sulfonylharnstoffe

Wie hoch ist das Hypoglykämierisiko?

In einer großen Beobachtungsstudie konnte bei Anwendung von Sulfonylharnstoffen im Vergleich zu Metformin insbesondere bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion ein signifikant erhöhtes Hypoglykämierisiko beobachtet werden. Unterschiede zwischen Sulfonylharnstoffen mit aktiven und solchen mit inaktiven Metaboliten wurden nicht gefunden. Eine vermutete Überlegenheit von Gliclazid konnte nicht bestätigt werden.

Referiert & kommentiertSolvejg Langer, Stuttgart

Kurioses aus der Wissenschaft

Pokémon GO für mehr Bewegung – oder mehr Unfälle

NotizenBettina Christine Martini, Legau

Aktuelle Meldungen von EMA, FDA, BfArM und AkdÄ